
Hadern leuchtete: Als das Nordlicht in unserem Viertel Geschichte schrieb


Von Simon Rothkegel
Was haben Sie am Abend des 10. Mai 2024 gemacht? Zufällig in den Haderner Nachthimmel geschaut? Und dieses rötlich-violette Schimmern über den Hausdächern gesehen? Wer damals das Handy zückte, bekam auf dem Bildschirm eine regelrechte Farbexplosion zu sehen, als wäre die Magenta-Patrone im Drucker ausgelaufen. Denn auf dem Handy wirkt dieses Phänomen noch deutlich spektakulärer als mit bloßem Auge.
Was den Himmel über Hadern zum Leuchten brachte, war keine lokale Erscheinung: Ein G5-Sonnensturm der höchsten Kategorie, ausgelöst von einer Gruppe von Sonnenflecken, 16-mal so groß wie die Erde, traf damals unseren Planeten und erzeugte nach NASA-Einschätzung eines der stärksten Polarlichter der letzten 500 Jahre.

Warum das bei uns so selten ist
Für unsere Breiten gilt: Erst ab einem Kp-Index von 7 oder höher, auf einer Skala bis 9, erscheinen Nordlichter überhaupt über dem Horizont. Statistisch passiert das immerhin ein- bis fünfmal im Jahr. Ein wirklich spektakuläres Leuchten aber, erkennbar mit bloßem Auge und ohne Langzeitbelichtung, ist hier eine absolute Rarität. Der entscheidende Treiber ist der Sonnenzyklus: Alle elf Jahre erreicht die Sonnenaktivität ein Maximum, und im aktuellen Zyklus 25 lag der Höhepunkt zwischen 2024 und 2026.
Das bescherte Hadern keine zwei Jahre später eine zweite Chance. Am 19. Januar 2026 folgte ein G4-Sturm, der die Strecke von der Sonne zur Erde in nur 25 Stunden zurücklegte — einer der schnellsten der letzten 30 Jahre. Diesmal war das Leuchten sogar ohne jede Kameraunterstützung deutlich erkennbar: flimmernde Farbspiele in Grün und Violett am Haderner Nachthimmel. Und diesmal lag der Geschichtsverein auf der Lauer, um Haderner Örtlichkeiten bewusst im Schein der Aurora borealis abzulichten.


Ist das Geschichte?
Im Geschichtsverein wurde diskutiert. Die Einschätzung der NASA lässt kaum Zweifel: Der G5-Sturm vom Mai 2024 ist kein Generationen-, sondern ein Jahrhundertereignis. Der zweite im Januar 2026 fiel zwar eine Stufe kleiner aus, war aber wegen seiner Geschwindigkeit ebenfalls bemerkenswert. In Hadern, einem Ort auf 48 Grad nördlicher Breite, Polarlichter mit bloßem Auge zu sehen — das war nur wenigen Generationen vergönnt. Ein historisches Ereignis also. Und so ist es jetzt auch eine Geschichte für den Geschichtsverein.
Waren auch Sie Zeuge des Naturschauspiels in Hadern und haben Fotos gemacht? Dann freuen wir uns über Zusendungen an archiv@gv-hadern.de.
Dieser Beitrag erschien zuerst in den Haderun Nachrichten 1/2026, der Mitgliederzeitschrift des Geschichtsvereins Hadern.


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