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Ein Stift auf einem Stapel Dokumente

Gartenideen für die Kinderreichensiedlung: Ein Abend zwischen Erinnerung und Zukunft

  • Autorenbild: Reinhard Weber
    Reinhard Weber
  • vor 3 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit
Tanja Sixt, Vorsitzende des Gropßhaderner Gartenbauvereins und Reinhard Weber vom Geschichtsverein, bei einer Vorort-Besichtigung der verwilderten Gartenflächen der Kinderreichensiedlung.
Tanja Sixt, Vorsitzende des Gropßhaderner Gartenbauvereins und Reinhard Weber vom Geschichtsverein, bei einer Vorort-Besichtigung der verwilderten Gartenflächen der Kinderreichensiedlung.

Am 2. Februar 2026 füllte sich um 19 Uhr der Veranstaltungsraum im Haderner Stadtteilkulturzentrum Guardini90 mit gespannter Erwartung. Zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren der Einladung des Initiativkreises Kinderreichensiedlung gefolgt. Darunter vertraute Gesichter, aber auch neue Teilnehmer. Der Anlass: die denkmalgeschützte ehemalige Kinderreichensiedlung in München-Großhadern und die Frage, wie die Anlage und ihre Gartenflächen künftig genutzt werden könnten.


Die Zielsetzung des Abends war klar umrissen, zugleich offen für kreative Gedanken: Ideen sammeln, Nutzungskonzepte diskutieren und erste Vorstellungen einer zukünftigen Gartengestaltung entwickeln. Nicht als fertiger Masterplan, sondern als tragfähige Grundlage für die nächsten Schritte.


Zwischen Projektstatus und Gartenvision

Zu Beginn führte Reinhard Weber, Vorsitzender des Geschichtsvereins Hadern und Mitinitiator des Projekts, in den aktuellen Stand des Gesamtprojekts zur angestrebten Wiederbelebung des leerstehenden Ensembles ein. Die Grundidee: Die Kinderreichensiedlung 2.0 soll in der historischen Tradition wieder ein bürgerschaftlicher Ort für Kinder und Jugendliche werden, getragen von Bürgern, Familien und über alle Generationen hinweg. 

Vorgestellt wurden der Status quo der Kinderreichensiedlung, die Überlegungen zur Nutzung der beiden leerstehenden Gebäude sowie die Rolle der umliegenden Gartenflächen. Auch die bereits konzipierte Innenraumplanung wurde gezeigt – bewusst als Rahmen, innerhalb dessen die Außenbereiche gedacht werden sollten.

Ein wichtiger Baustein im Vorfeld: Die Landeshauptstadt München hatte als Eigentümer alle vorhandenen Pläne zu Grundstück, Strom-, Wasser- und Gasleitungen bereitgestellt. Eine scheinbar technische Randnotiz, die sich jedoch als essenziell für jede realistische Gartenplanung erwies.


Erinnerungen an blühende Landschaften

Schon früh am Abend zeigte sich, dass die Diskussion nicht allein von planerischen Überlegungen getragen wurde. Persönliche Erinnerungen verliehen der Veranstaltung eine besondere Note und historische Einblicke.

Ein Teilnehmerin berichtete von ihrer Zeit in den 1990er Jahren, als sie als Jugendliche regelmäßig bei ihren Großeltern in der Kinderreichensiedlung zu Besuch war und auch für einige Zeit dort wohnte. Ihre Schilderungen zeichneten ein fast poetisches Bild: geharkte Beete, blühende Sträucher, sorgfältig gepflegte Gärten. Ihre Großeltern würden sich im Grab umdrehen angesichts der heute verwilderten Grundstücke, meinte sie, und sie würden sich freuen, wenn hier wieder die gepflegte Natürlichkeit früherer Zeiten Einzug hielte. Eine Messlatte für heutige Erwartungen. 

Auch die aktive Puppenspielerin Maria Bernlochner brachte als Teilnehmerin eine besondere Perspektive ein. Sie organisiert und veranstaltet –  unterstützt von ihrem ebenfalls anwesenden Mann Gerhard – Aufführungen mit ihrem klassisch-bairischem Kasperltheater und verfügt über langjährige Erfahrung in der Jugendarbeit, auch im Umgang mit Behörden. Sie dachte den Ort bereits ein Stück weiter und könne sich gut vorstellen, künftig an einem Programmangebot mitzuwirken – vielleicht sogar das Kasperltheater in der Kinderreichensiedlung aufleben zu lassen.


Fachliche Erdung: Was ein Garten wirklich braucht

Tanja Sixt erläuterte als Expertin den Teilnehmer:innen, worauf es bei der Planung eines Gartens ankommt.
Tanja Sixt erläuterte als Expertin den Teilnehmer:innen, worauf es bei der Planung eines Gartens ankommt.

Als Expertin war Tanja Sixt an diesem Abend eingeladen. Als Vorsitzende des Gartenbauvereins Großhadern e.V hat sie erst kürzlich ein anspruchsvolles Projekt umgesetzt: In Zusammenarbeit mit der Pfarrei St. Hedwig entstand ein Natur-Erlebnis-Raum mitten in der Großstadt – getragen auch von ehrenamtlichem Engagement.

Ihr zentraler Hinweis an diesem Abend: Ein Garten lasse sich nicht beliebig planen. Entscheidend seien die natürlichen Gegebenheiten, insbesondere Licht- und Schattenverhältnisse. Die Verschattung von Teilen der KRS-Gartenflächen durch hohe Bäume im Süden stelle eine konkrete Herausforderung dar. Gerade Gemüsebeete benötigten reichlich Sonne.

Auch der Gedanke eines möglichen Schulgartens – die benachbarte Haderner Montessorischule hatte im Vorfeld hierzu Interesse signalisiert – wurde differenziert betrachtet. Ein Schulgarten bedeute mehr als Anbau und Pflege. Er umfasse ebenso Ernte, Verarbeitung und gemeinsames Erleben. Kinder sollten lernen, was nach der Ernte geschieht. Eine geeignete Kochstelle sei daher integraler Bestandteil eines solchen Konzepts. Die aktuelle Gebäudeplanung sehe hierfür bereits eine passende Küche vor.

Deutlich fiel auch die Einschätzung zur praktischen Umsetzung aus: Mit Harke, Schaufel und gutem Willen allein sei es nicht getan. Angesichts baufälliger betonierter Wege, Terrassenflächen und stark durchwurzelter Böden werde für eine grundlegende Sanierung professioneller Einsatz – inklusive schwerem Gerät – notwendig sein. Ehrenamtliche Arbeit bleibe dennoch unverzichtbar, insbesondere für die Bepflanzung und langfristige Pflege der Anlage.

Ein wichtiger Hinweis der Gartenexpertin: Bereits bei der Planung sollte man auf den späteren Pflegeaufwand achten und ihn durch die entsprechende Auswahl von Pflanzen den vorhandenen Ressourcen anpassen.


Workshop-Ideen nehmen Gestalt an

Im anschließenden Workshop sammelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Vorstellungen auf Post-its. Formuliert, diskutiert und geordnet wurden unter anderem der Anbau von Obst und Gemüse, der Umgang mit bestehendem Baumbestand, die Sanierung und Gestaltung der Wege, Aufenthaltsflächen und Sitzgelegenheiten, naturnahe Gartengestaltung und Kompostierung, Pflegekonzepte und ehrenamtliches Engagement. Auch das Für und Wider von Feuerstellen, etwa zum Grillen oder für ein Lagerfeuer wurde diskutiert, auch im Hinblick auf mögliche Belästigungen der Nachbarschaft. 

War zunächst eher eine klassische Bestandsreaktivierung – die Gärten 1:1 wieder instandzusetzen – das vorherrschende Konzept, so entwickelte sich das im Austausch überraschend weiter.


Vom Wiederaufbau zur Neuinterpretation

Eine erste grobe Skizze einer möglichen neuen Gestaltung: Die Gartenflächen der beiden Häuser bilden eine gemeinsame Fläche mit drei Zonen. Die gesammelten Ideen zur Nutzung sind darauf verortet.
Eine erste grobe Skizze einer möglichen neuen Gestaltung: Die Gartenflächen der beiden Häuser bilden eine gemeinsame Fläche mit drei Zonen. Die gesammelten Ideen zur Nutzung sind darauf verortet.

Bei der gemeinsamen Sichtung der Vorschläge stand plötzlich eine neue, zukunftsgerichtete Perspektive im Raum: Die Flächen der beiden leerstehenden Häuser könnten zusammengelegt und als gemeinsame Gartenlandschaft mit unterschiedlichen Nutzungszonen gedacht werden.

Auf einem spontan erstellten Plakat nahm das Konzept Form an – die Ideen-Zettel wurden platziert, um die neue Vision zu visualisieren:


Zentrale Gemeinschaftszone: Zwischen den Häusern könnte ein offener Treffpunkt entstehen – mit Tischen und Stühlen, Raum für Begegnung, Gespräche und kleine Veranstaltungen. Hier wäre auch Platz für das angedachte „Café Holzwurm", also eine einfache Bewirtung zu ausgewählten Terminen. Denkbar wären zudem Orts- oder gar kleine Freiluftaufführungen bzw. Vorführungen – ein Bereich, in dem auch Maria Bernlochner mit ihrem Puppenspieltheater Akzente setzen könnte.


Selbstversorgung & Schulgarten: Im rechten Bereich wären hier Gemüsebeete oder Hochbeete, Obststräucher und -bäume vorgesehen, ergänzt um einen Geräteschuppen. Historisch waren solche Schuppen für jede Einheit in den Doppelhäusern vorhanden. Wie eine denkmalgerechte Sanierung der verfallenen Bestandsbauten aussehen kann, bleibt zu klären.


Rückzug & Spiel: Ein ruhigerer Teil im linken Teil des Gartens – gedacht als Ort des Verweilens, Spielens oder individuellen Rückzugs. Hier könnten auch Spielgeräte bereitstehen, mit denen sich Kinder und Erwachsene ihren eigenen Zeitvertreib gestalten.


Ein Abend, der mehr war als Ideensammlung

Am Ende herrschte spürbare Zufriedenheit. Nicht, weil ein fertiger Plan vorlag, sondern weil eine gemeinsame Vorstellung entstanden war: eine Kinderreichensiedlung 2.0, die Geschichte respektiert und zugleich neue zeitgemäße Nutzungen zulässt.

Das entwickelte Konzept bildet nun die Grundlage für die nächsten Schritte. Die Ideen sollen konkretisiert, detailliert ausgearbeitet und in flächentreuen Plänen festgehalten werden. 

Ziel ist eine denkmalpflegerische Voruntersuchung – für Gebäude und Außenflächen gleichermaßen. Hierfür beabsichtigt der Initiativkreis, einen Förderantrag beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zu stellen, das im Vorfeld bereits Unterstützung signalisiert hat. 

Eine solche Untersuchung könnte Klarheit schaffen über Aufwand, Machbarkeit und Kosten einer umfassenden Renovierung. Erst wenn dieses Bild klar ist, können die nächsten Schritte hinsichtlich Planung, Organisation und ehrenamtlichem Engagement konkret angegangen werden.


Die Veranstaltung im Guardini90 war kein lauter Abend, sondern ein konzentrierter. Einer, an dem Erinnerungen an blühende Gärten auf die Realität denkmalgeschützter Substanz trafen. Und an dem deutlich wurde: Zukunft entsteht oft nicht durch große Würfe, sondern durch gemeinsames Nachdenken, Ideenfindung und die Bereitschaft, ursprüngliche Ideen auch einmal über den Haufen zu werfen. Die Kinderreichensiedlung hat an diesem Abend ein Stück Zukunft gewonnen – auf Papier, in Gesprächen und in vielen Köpfen.


Hintergrund zur Kinderreichensiedlung

Ab 1935 entstand in München-Großhadern die Kinderreichensiedlung: Fünf Häuser in einfacher Holzbauweise mit neun Wohneinheiten à 50 Quadratmeter Wohnfläche, einem gemeinsamen Waschhaus und Selbstversorgergärten. Neun Familien mit fast 50 Kindern fanden hier ein Zuhause. Das Ensemble steht heute unter Denkmalschutz und soll mit neuem Leben gefüllt werden – als Ort der Begegnung für Kinder und alle Generationen, für gemeinsame Aktivitäten, Bildung und die Wiederbelebung der Traditionen.

Der Initiativkreis Kinderreichensiedlung besteht aus rund 50 Personen, die sich für Erhalt und Nutzung des historischen Ensembles einsetzen. Wenn Sie zur weiteren Entwicklung des Projekts auf dem Laufenden bleiben oder sich aktiv beteiligen möchten, schreiben Sie gerne an krs@gv-hadern.de. Wir nehmen Sie dann gerne in unseren Verteiler auf, damit sie künftig aktuell informiert bleiben.


 
 
 
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