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Ein Stift auf einem Stapel Dokumente

Frischer Wind für die Kinderreichensiedlung

  • Autorenbild: Reinhard Weber
    Reinhard Weber
  • 20. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Ein Workshop voller Ideen, Engagement und Aufbruchsstimmung für die Wiederbelebung des denkmalgeschützten Ensembles


Die Zeiten der Familien-Idylle in der Kinderreichensiedlung sind inzwischen Jahrzehnte her. Inzwischen droht  das Holzhaus-Ensemble zu verfallen.
Die Zeiten der Familien-Idylle in der Kinderreichensiedlung sind inzwischen Jahrzehnte her. Inzwischen droht das Holzhaus-Ensemble zu verfallen.

Am 11. April war es so weit: Rund 50 Haderner Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter lokaler Organisationen trafen sich im Guardini90 zu einem besonderen Workshop. Gemeinsam wollten sie eine zentrale Frage beantworten: Wie kann die denkmalgeschützte Kinderreichensiedlung wieder mit Leben gefüllt werden? Die Resonanz war überwältigend – der Saal war voll, das Interesse groß, die Ideen vielfältig.


Von der Vergangenheit in die Zukunft

Der Geschichtsverein hatte in den vergangenen Jahren bereits immer wieder zur Geschichte der Kinderreichensiedlung informiert – durch Vorträge, Führungen und am Tag des offenen Denkmals. Nun sollte der nächste Schritt folgen: die Zukunft aktiv mitgestalten. Besonders im Fokus standen dabei die beiden leerstehenden Holzhäuser des Ensembles.

Die Versammlung begann mit einem kurzen Rückblick: Was wurde bisher unternommen? Welche Akteure sind schon eingebunden? Rasch zeigte sich: Viele Teilnehmer kannten die Siedlung gut, waren in den vergangenen Wochen sogar selbst vor Ort. Umso größer war das Engagement, nun auch konkrete Vorstellungen zu entwickeln. Mit herzlichem Applaus wurden die aktuellen Bewohner begrüßt, die nicht nur über ihren Alltag berichteten, sondern auch selbst Ideen einbrachten – ein starkes Zeichen für gelebte Beteiligung.


Ein Ort für Kinder, Natur und Erinnerung

Mehrere Initiativen stellten erste Konzepte vor. Die Aktion Sonnenschein und die Montessorischule würden gerne einen Schulgarten auf dem Gelände anlegen und die Häuser in den praktischen Unterricht einbeziehen. Besonders für das pädagogische Wohntraining in höheren Klassen bieten sich die Holzhäuser ideal an.

Auch der Gittner-Kindergarten war vertreten: Jonas Vanamali sieht großes Potenzial für Kinderfreizeiten. Statt auf den Bauernhof weit außerhalb zu fahren, könnten Kinder nun am Waldrand mitten in Hadern Natur erleben – und vielleicht zum ersten Mal außerhalb ihres Elternhauses übernachten.

Lisa Keppler vom Geschichtsverein fasste die bisher gesammelten Ideen in vier Leitgedanken zusammen:

  1. Ein Ort für Kinder und mit Kindern, an dem Generationen aufeinandertreffen

  2. Ein Ort für Kurse und Veranstaltungen mit Bezug zu Natur und Tradition

  3. Ein Ort zum Verweilen in der Natur – möglichst mit einem kleinen Café

  4. Ein Ort der Erinnerung, der die Geschichte der Siedlung und Haderns lebendig macht


Miteinander denken – und handeln

Statt einer offenen Diskussion, bei der meist nur wenige zu Wort kommen, setzte Moderatorin Christiane Weber (TSV Großhadern) auf interaktive Gruppenarbeit: Erst notierten alle Teilnehmenden, was ihnen besonders wichtig war oder noch fehlte. Dann tauschten sie sich in Zweier- und Vierergruppen aus. Auf Zetteln wurden die wichtigsten Ideen gesammelt und auf einem großen Plakat platziert, das die Häuser samt Gärten und Schuppen zeigte – eine erste Ideenkarte der Kinderreichensiedlung entstand.

Auch ganz neue Vorschläge wurden laut: Eine Neunjährige wünschte sich Tiere zum Streicheln, andere schlugen günstigen Wohnraum für Studierende vor – verbunden mit der Verpflichtung, bei der Renovierung mitzuhelfen. So entsteht ein Geben und Nehmen, das zur Siedlung passt.


Vier Teams für die nächsten Schritte

Im zweiten Teil ging es ans Konkrete. Wer will mithelfen? Wer bringt welches Wissen mit? Dafür hatte das Moderationsteam vier Mitmach-Bereiche vorbereitet:

  • Die Baubrigade kümmert sich um Renovierung, Ausbau und praktische Umsetzung

  • Die Freiraum-Entwickler gestalten und pflegen Garten und Außenbereich – gerne auch im Sinne der Selbstversorgung

  • Die Projektwerkstatt plant Kurse und Veranstaltungen für ein breites Publikum

  • Das Erinnerungsteam sorgt dafür, dass die Geschichte des Ortes nicht in Vergessenheit gerät

Die Teilnehmenden waren eingeladen, sich einen Überblick zu verschaffen und sich anschließend in einem der Teams einzubringen. Die Fragen lauteten: Was genau gibt es dort zu tun? Was sind erste Schritte? Wer ist dabei? Jede Gruppe stellte daraufhin ihre Plakate mit den Notizen zu ihren Ergebnissen vor.



Es braucht einen rechtlichen Rahmen

Fast alle Gruppen betonten die Notwendigkeit einer klaren Planungsbasis: Es braucht fundierte Konzepte für die Gebäude und den Garten, damit langfristig attraktive Angebote entstehen können. Die Bereitschaft zur Unterstützung war spürbar – vom Vorhangnähen bis zur Architekturplanung gab es vielfältige Expertise.

Ein weiterer zentraler Punkt: Für alle weitergehenden Schritte braucht es einen rechtlichen Rahmen. Die sogenannten „Brückenbauer“ warben für die Gründung eines Trägervereins, der verbindliche Vereinbarungen mit der Stadt München – als Eigentümerin der Siedlung – treffen kann.


Fünf Leitsterne für die Kinderreichensiedlung

Zum Abschluss stellte der Geschichtsverein seinen „Nordstern“ vor: Fünf Leitgedanken, an denen sich das gesamte Projekt orientieren soll. Sie bringen die Vision einer bürgerschaftlich getragenen, traditionsbewussten und zukunftsoffenen Kinderreichensiedlung auf den Punkt:

• Den historischen Ort bewahren• Sozialgeschichte für Kinder und Familien wiederbeleben• Offener Raum für Begegnungen• Natur und Einfachheit erleben• Erinnerung lebendig halten

Gemeinsam geht es weiter

Als wertvolles Ergebnis des Abends bleibt eine Liste von rund 30 Teilnehmenden, die über die nächsten Schritte informiert werden möchten – und ihre Bereitschaft signalisiert haben, diese aktiv mitzugestalten.

Die Liste ist offen: Wer sich angesprochen fühlt, kann sich jederzeit dem Initiativkreis anschließen. Eine kurze E-Mail an krs@gv-hadern.de genügt – und wir halten Sie auf dem Laufenden.

Reinhard Weber

 
 
 

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